Stadtentwicklung


Maik schreibt heute in Rede-mit (Auszug, vollständiger Beitrag hier):

Laut einem Gutachten von Prof. W. Spyra, TU Cottbus, ist die Selbstdetonation eines Bombenblindgängers im Stadtgebiet „in naher Zukunft als wahrscheinlich anzunehmen“.
Des weiteren wird im Gutachten die Arbeit der Akteure auf Landes-,  Kreis- und Stadtebene kritisiert: “Die Arbeitssituation zwischen den Vertretern ist ineffektiv“, heißt es im Gutachten.
Quelle: www.die-mark-online.de (Zugriff 09.05.2010).

Eigentlich ist es doch schon ein Skandal, dass uns Bürgern der Inhalt dieses Gutachtens bereits zwei Jahre - und bis auf wenige durch die Presse zitierte Passagen - und auch immer noch vorenthalten wird. Wer hat denn das Gutachten in Auftrage gegeben? Wer bezahlt? Auch so, der Steuerzahler. Das sind doch aber wir!!

Und anders ausgedrückt (…): Mir wäre der Erhalt meines Lebens und die Abwendung von Gefahren für Leib und Leben mehr Geld wert als die Finanzierung eines attraktiven Schlossparkes! Sollte also das Land Brandenburg weiterhin zu keiner Aufstockung der Mittel bereit sein, so sollte dann - auch um den Ernst der Lage deutlich zu machen - auch darüber diskutiert werden, den Schlosspark nicht mehr zu bewirtschaften, für einige Jahre (Jahrzehnte?) abzusperren und die Mittel für die Bombenbeseitigung auszugeben, und erst dann wieder den Schlosspark zu öffnen, wenn Oranienburg “bombenfrei” ist.

Natürlich möchte ich nicht, dass Oranienburg an Attraktivität verliert. Deshalb wäre es natürlich sehr schade, wenn der Schlosspark tatsächlich geschlossen werden müsste. Wie wäre es denn vorab darum bestellt, den Landtagsabgeordneten auf den Leim zu gehen?!

Unterschriftensammlungen?! Demonstrationen vor dem Potsdamer Landtag?!! Ich meine, wir Bürger Oranienburgs müssen hier eine Öffentlichkeit herstellen, dass wenn wir Pech haben (Selbstdetonationen…) wir von den Altlasten derart betroffen sein werden, dass es politisch nicht mehr möglich ist, allein mit Verweis auf fehlende Zuständigkeiten die Verantwortung auf die Kommune abzuwälzen.

Muss/soll es erst Tote geben? Es kann doch jede und jeden zuerst treffen, Alte, Junge, Kinder!!! Wann wachen wir auf aus unserem “Schlosspark-Traum”? Oder nimmt das Gutachten keiner für voll?

Dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Es hat fast den Eindruck, als hätte die Stadt Oranienburg den Zweiten Weltkrieg angezettelt und würde deshalb zu Recht heute die Folgen zu tragen haben.  (Das soll natürlich nicht in Abrede stellen, dass Oranienburg für die Nazis durchaus eine wichtige Adresse war.)

Es muss hier wirklich - auch abseits formalrechtlicher Zuständigkeiten -  die Solidarität von Land und Bund eingefordert werden, so wie wir das seit Jahren u.a. auch mit Petitionen an den Deutschen Bundestag machen, leider bislang ohne Erfolg. Das mit den Unterschriften sollte man tatsächlich mal überlegen. Auch sollten vielleicht alle Oranienburger mal ihren Lieblings-Landtagsabgeordneten auf die Füße treten. Immerhin hat Gerrit Große ja in der aktuellen Haushaltsberatung schon mal eine diesbezügliche Anfrage gestellt, die zwar noch nichts bewegt hat, aber immerhin das Thema wieder auf die Bühne gehoben hat.

Die Frage ist, ob es wirklich eine realistische Lösung wäre, in der Stadt auf die freiwilligen Leistungen, wie z.B. den Schlosspark zu verzichten. Selbst wenn wir auf alle freiwilligen Leistungen inkl. Jugendprojekte, Schulspeisung, Straßenausbau etc. verzichten würden, hätten wir noch viele Jahrzehnte zu tun, um Oranienburg abgesucht zu bekommen.

Am Samstag findet ein großes Schneevergnügen im Schlosspark statt (siehe MAZ und OGA). Vielleicht die letzte Gelegenheit, den Schlosspark kostenlos zu besuchen.

Die Geschäftsführung der LAGA gGmbH hat ja den Beschluss der Stadtverordneten, den normalen Eintrittspreis auf 2,50 EUR für Erwachsene festzusetzen, aus meiner Sicht recht eigentümlich interpretiert. Nur für Veranstaltungen sollte eigentlich ein höherer Eintrittspreis genommen werden (siehe auch hier).

Die Bespielung des Parks z.B. durch das allseits gelobte Ensemble von Martin van Bracht an den Wochenenden wird in dem Sinne schon als Veranstaltung angesehen, so dass die Wochenenden nun generell teurer sind. “Echte” Veranstaltungen sollen übrigens nochmal extra kosten.

Dafür hat man die Besuchererwartungen weiter nach oben geschraubt und will jetzt 176.000 Eintrittskarten für den Park verkaufen. LAGA gGmbH Geschäftsführer Frank Oltersdorf sagte im Hauptausschuss, dass er das durchaus für realistisch hält. Zumindest auf dem Papier geht die Rechnung für die beschlossene Begrenzung des städtischen Zuschusses auf 1 Mio. so auf. Hoffentlich klappt’s auch in der Realität.

Mindestens 1.300.000 EUR soll die Nachnutzung der LAGA zukünftig jedes Jahr den Oranienburger Steuerzahler (und auch die Steuerzahlerinnen) kosten. Das hat Baustadtrat Oltersdorf gestern im Bauausschuss bestätigt.

Von der genannten Gesamtsumme von 1,7 Mio EUR Aufwendungen muss man nämlich einen Betrag von 300 bis 400 Tausend Euro abziehen, die die Stadt auch in den vergangenen Jahren schon für Kultur ausgegeben hat und die sich in Zukunft in der in Schlosspark GmbH umfirmierten LAGA gGmbH wiederfinden werden.

Als ich im Jahre 2006 mal eine Anfrage an den Bürgermeister gestellt hatte, was die Instandhaltung und Pflege wohl kosten würde, waren wir noch bei 150.000 EUR (siehe hier). Vor einem Jahr wurden den Stadtverordneten 431 TEUR genannt, jetzt sind wir allein bei der Grünpflege schon bei geschätzten 766 TEUR, dem Fünffachen der ursprünglichen Summe.

Das Nachnutzungskonzept der Verwaltung mit den wichtigsten Anlagen habe ich hier zum Download bereitgestellt.

Ich möchte gerne die Diskussion mal auf den Punkt lenken, dass wir nicht immer nur über das Eintrittsgeld reden, sondern auch mal darüber, dass die Nachnutzung den Stadthaushalt extrem belasten wird. Bei 130.000 geplanten Besuchern knöpfen wir eben nicht nur jedem (vollzahlenden) Besucher 2,50 EUR ab, sondern subventionieren jeden einzelnen Besuch noch mal mit 10 EUR aus der Stadtkasse.

Natürlich dürfen wir im Gegenzug auch gerne diskutieren, was der Park der Stadt bringt, an positivem Image für die Stadt, an Lebensgefühl und vielleicht Neu-Ansiedlungen.

oder eher Geteilter Park ist doppelter Park?

Im Zuge der Nachnutzungsdiskussion der Landesgartenschau kommt auch immer wieder die Idee zur Diskussion, das Laga-Gelände nach dem Ende der Veranstaltung wieder zu teilen.

Die Befürworter der Lösung, z.B. die Linke und deren Bürgermeisterkandidat stellen sich dann vor, den Alten Park kostenfrei der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und für den Neuen Park Eintritt zu nehmen.

Das würde aber bedeuten, dass man quer durch das Laga-Gelände einen neuen Zaun baut und dort Eintritt erhebt. Ich persönlich kann mir das nicht vorstellen, hielte das landschaftsgestalterisch geradezu für einen Frevel.

Aber auch finanziell geht die Rechnung nicht auf. Nicht nur, dass das die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern deutlich reduzieren würde. Um dann noch Besucher in den gebührenpflichtigen Teil zu locken, müsste man dort noch erheblich mehr investieren als ohne Parkteilung. Und mir sind die Kosten im Bürgermeister-Konzept eigentlich schon zu hoch.

Meinetwegen kann man gerne darüber diskutieren, ob und in welcher Höhe man Eintritt erhebt. Hier gibt es viele gute Argumente für Für und Wider. Den Park künstlich zu teilen, halte ich für absurd.

Am 07.09. hat der Bürgermeister endlich seine Pläne für die zukünftige Nutzung des Schlossparkes nach der Landesgartenschau vorgestellt.

Danach soll der Schlosspark auch zukünftig umzäunt bleiben und ein Eintrittsgeld in Höhe von 2,50 EUR erhoben werden (siehe hierzu auch die Diskussion auf Rede-Mit). Dennoch erfordert der Schlosspark einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 920.000 EUR. Fairerweise muss man aber dazu sagen, dass der bisherige Zuschuss zum Kulturbetrieb der Stadt in Höhe von ca. einer halben Mio. EUR darin aufgehen soll.

Die Diskussion in den politischen Gremien ist jetzt eröffnet, Details finden sich in der Vorlage der Verwaltung, die hier auf der Webseite der Stadt Oranienburg verfügbar ist. Die endgültige Entscheidung soll auf der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Oranienburg am 02. November fallen.

Was denken die Oranienburgerinnen und Oranienburger über die Pläne?

Vor knapp zwei Wochen war rund um das Arbeitsamt mächtig Rabbatz. Motorsägen heulten tagelang und fraßen sich durch nahezu jeden Baum auf dem Karree Bykstraße, Stralsunderstr., Lindenstr., Lehnitzstr.. Ein P+R Parkplatz (Langzeitparkplatz für Nutzer des Öffentlichen Nahverkehrs) soll offenbar entstehen. Wenn es meist auch nur Pappeln waren, ging es diesen sicher bis vor kurzem nicht schlecht. Eine knappe handvoll Bäume stehen noch. Ob es für die Autos nötig ist, einen 100%igen Sonnenplatz zu schaffen? Die Bäume vor dem Arbeitsamt fielen scheinbar ebenfalls grundlos…

Die MAZ schreibt heute unter dem Titel “Neue Zentren nur im Norden“:

Seit Ende der 90er Jahre werden große Einkaufscenter ab 10 000 Quadratmetern Fläche immer häufiger in Innenstädten gebaut. 400 solcher Groß-Zentren gibt es in Deutschland, gut die Hälfte davon in den Innenstädten.

In Brandenburg ist der großflächige Einzelhandel zwischen 1999 und 2006 um gut acht Prozent gewachsen. (…)

Nach dem neuen Landesentwicklungsplan sollen keine Einkaufszentren auf der grünen Wiese mehr gebaut werden. Sortimente wie Lebensmittel oder Bekleidung dürfen nur noch in den Innenstädten verkauft werden. Möbelhäuser oder Gartencenter können auch am Stadtrand stehen.

Aus meiner Sicht eine sehr vernünftige und überfällige Festlegung.

Basierend auf einer Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) wird klar, dass die Zeit von großen Einkaufscentern “auf der grünen Wiese” vorbei ist. Innerstädtische Lagen sollten bevorzugt werden und können bei richtiger Ausgestaltung die bislang ortsansässigen Händler mehr unterstützen als gefährden.

Auch wenn die Zeit der Wirtschaftskrise vielleicht nicht so sehr geeignet erscheint, über neue Einkaufscenter nachzudenken - die ist ja irgendwann auch wieder vorbei. Und die Stadt Oranienburg bräuchte auch für’s Einkaufen einen attraktiven Anziehungspunkt.

Nachdem der Wochenmarkt in der Oranienburger Innenstadt zunächst nicht weitergeführt werden sollte (siehe hier), wird Bürgermeister Laesicke jetzt im OGA-Neujahrsinterview wie folgt zitiert:

Ich kann die Kritik der Kunden des Wochenmarktes und die Händler gut verstehen. Auch mir leuchtet es nicht ein, warum bis zur Umsetzung eines Betreiberkonzeptes für den Schlossplatz der Wochenmarkt ersatzlos gestrichen werden soll.

Der Vorschlag - wenigstens vorübergehend -, die sogenannte dritte Achse, also die Neringstraße, als Marktstandort anzubieten, halte ich für durchaus vernünftig. Das Ordnungsamt wird diese Idee aufgreifen und mit den Händlern rasch Kontakte aufnehmen, um auch dieses Jahr einen Wochenmarkt in der Stadt anbieten zu können.

Das ist natürlich eine positive Entwicklung, allerdings frage ich mich, warum man nicht gleich nach einer neuen Lösung sucht, wenn man die alte nicht mehr will. Warum außerdem muss der Markt überhaupt von der Bernauer Straße weg?

Eigentlich wollte ich heute einen Artikel schreiben nach dem Motto Gibt es ein Leben nach der LAGA?. Stattdessen nun die Frage, wie es mit dem Leben vor der LAGA aussieht.

Heute entnehme ich dem OGA, dass der Wochenmarkt in der Liebigstraße nicht mehr stattfindet. Nach der LAGA soll auf dem Schlossplatz ein Markt neu angesiedelt werden.

Da frage ich mich doch, warum man nicht a) den Markt auf der Liebigstraße wenigstens so lange bestehen lässt, bis der neue Standort fertig ist und b) warum man überhaupt die Bernauer Straße schwächen will.

Es ist ja schön, wenn der Bereich um das Schloss entwickelt werden soll, aber das darf nicht auf Kosten der Bernauer Straße gehen. Es ist ja nicht so, dass dort das pralle Leben tobt und es gar nicht auffällt, wenn der Markt weg ist. Aus meiner Sicht sind es dort einzelne fragile Bausteinchen, die für die Oranienburger Anziehungspunkte darstellen, wo man nicht ohne Not und Alternative ein Bausteinchen wegnehmen sollte.

P.S.: Übrigens schickt einen das Internetangebot der Stadtverwaltung immer noch zum Bötzower Platz und zum Fischerparkplatz, wenn man nach “Wochenmarkt” sucht. Demnächst kann dann also die SEite komplett gelöscht werden :-(

Aus dem interessanten Kommentar von GreenOr mache ich mal einen eigenen Artikel. Ich meine, er eignet sich ganz gut zum Einstieg in die Diskussion:

Der Schosspark wurde von Louise Henriette von Oranien als Landschaftspark angelegt und sollte auch zukünftig als solcher erhalten und gepflegt werden. Zu ihrer Lebzeit war er in ihrem privaten Besitz und der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Heute ist das Gelände im Eigentum der Bürger Oranienburgs. Die Bewirtschaftung obliegt der Stadtverwaltung Oranienburg. Zur Zeit befindet es sich im Besitz der Laga gGmbH und ist für die Bürger nicht zugänglich.

Wie soll aber der Zugang zum Park nach Abschluss der Landesgartenschau im nächsten Jahr gestaltet werden? Wie viele Zugänge sollten angelegt werden? Ist die Kassierung von Eintrittsgeld erforderlich?

Von Seiten der Verwaltung lese ich, es werde die Kassierung von Eintrittsgeld angestrebt. Man geht davon aus, dass sich die Besucher des Landschaftsparkes nicht angemessenen verhalten, wenn der Zugang kostenfrei gestaltet wird. “Was nichts kostet, ist nichts wert.” Gruppen grölender Jugendlicher oder Alkoholiker werden den Park besiedeln. Andere Zeitgenossen werden den Park mit Graffitis überziehen oder sich sonstiger Zerstörungswut hingeben. Hunden mit ihren Besitzern wird der Zugang verboten usw. Um also bei den Bürgern eine mehrheitliche Zustimmung für die Erhebung von Eintrittsgeld zu erlangen, bedient man sich dem Instrument der Angstschürerei. Nach dem Abschluss der Laga gilt es, den Landschaftspark kostengünstig durch Landschaftsgärtner des Stadtbauhofes zu bewirtschaften. Tatsächlich dürften die von den Bürgern kassierten Gelder kaum die Kosten des Kassenpersonals decken und die Weiterführung der dann unnötigen privaten GmbH enorme Zusatzkosten zu Lasten der Stadtkasse erfordern.

Denkbar wäre aber auch ein gegenteiliges Konzept. Hier geht man nicht von Verboten, Gebühren oder unterstelltem Vandalismus aus, sondern von Geboten, Stolz und Freude. Die festzulegenden Gebote regeln allgemeine Vorgaben bezüglich der Benutzung des Parkgeländes. Um den Park noch mehr in das Bewusstsein der Bürger zu rücken und den Stolz darüber weiterzuentwickeln, dass wir in Oranienburg einen wunderbaren Schlosspark haben, bedarf es vor Allem einiger guter Landschaftsgärtner und einem wohldurchdachten Marketingkonzept. So wäre z.B. die Veranstaltung niveauvoller Open-Air-Konzerte und Familienfeste denkbar.

Die Diskussion ist eröffnet!

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