Mi 7 Okt 2009
Einsdreiundfünfmaldienull
Geschrieben von Heiner Klemp unter Kultur, Stadtentwicklung
Mindestens 1.300.000 EUR soll die Nachnutzung der LAGA zukünftig jedes Jahr den Oranienburger Steuerzahler (und auch die Steuerzahlerinnen) kosten. Das hat Baustadtrat Oltersdorf gestern im Bauausschuss bestätigt.
Von der genannten Gesamtsumme von 1,7 Mio EUR Aufwendungen muss man nämlich einen Betrag von 300 bis 400 Tausend Euro abziehen, die die Stadt auch in den vergangenen Jahren schon für Kultur ausgegeben hat und die sich in Zukunft in der in Schlosspark GmbH umfirmierten LAGA gGmbH wiederfinden werden.
Als ich im Jahre 2006 mal eine Anfrage an den Bürgermeister gestellt hatte, was die Instandhaltung und Pflege wohl kosten würde, waren wir noch bei 150.000 EUR (siehe hier). Vor einem Jahr wurden den Stadtverordneten 431 TEUR genannt, jetzt sind wir allein bei der Grünpflege schon bei geschätzten 766 TEUR, dem Fünffachen der ursprünglichen Summe.
Das Nachnutzungskonzept der Verwaltung mit den wichtigsten Anlagen habe ich hier zum Download bereitgestellt.
Ich möchte gerne die Diskussion mal auf den Punkt lenken, dass wir nicht immer nur über das Eintrittsgeld reden, sondern auch mal darüber, dass die Nachnutzung den Stadthaushalt extrem belasten wird. Bei 130.000 geplanten Besuchern knöpfen wir eben nicht nur jedem (vollzahlenden) Besucher 2,50 EUR ab, sondern subventionieren jeden einzelnen Besuch noch mal mit 10 EUR aus der Stadtkasse.
Natürlich dürfen wir im Gegenzug auch gerne diskutieren, was der Park der Stadt bringt, an positivem Image für die Stadt, an Lebensgefühl und vielleicht Neu-Ansiedlungen.
3 Kommentare für “ Einsdreiundfünfmaldienull ”
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11. Februar 2010 um 10:06[...] Die Geschäftsführung der LAGA gGmbH hat ja den Beschluss der Stadtverordneten, den normalen Eintrittspreis auf 2,50 EUR für Erwachsene festzusetzen, aus meiner Sicht recht eigentümlich interpretiert. Nur für Veranstaltungen sollte eigentlich ein höherer Eintrittspreis genommen werden (siehe auch hier). [...]
21. Oktober 2009 um 22:15
Immer wenn ich die stolze Staatsjacht im Hafen sehe, male ich mir aus, wieviele soziale Projekte mit den Herstellungskosten (waren es 500000 €? hätten laufen könnten. Wenn ich die Zahlen für die Nachnutzung des Lagageländes jetzt jetzt lese ist mir klar, warum für das Resozialisierungsprojekt des CJO im Stadthaushalt kein Geld mehr übrig ist. Wer stoppt diese Entwicklung?
22. Oktober 2009 um 08:45
Nun kann eine Stadt nicht nur soziale Projekte machen, sondern braucht auch Identifikationspunkte und Entwicklungsperspektiven. Insofern ist das Aufrechnen von Staatsjacht und Projekten problematisch. Das in die Jacht gesteckte Geld ist ja auch nicht weg, sondern in Form des Bootes nach wie vor vorhanden.
Aber Sie haben natürlich Recht. Auch ich habe Bedenken, dass wir ein umfangreiches Nachnutzungskonzept finanzieren, das der Stadt imagemäßig sicher gut tut, aber wo hinterher bei wichtigen anderen (nicht nur - aber auch sozialen) Projekten das Geld fehlt.
Daher haben wir als SPD/Grüne-Fraktion die Ansätze der Verwaltung pauschal um 25% auf max. 1 Mio Zuschuss gekürzt (und uns damit bereits im Hauptausschuss durchgesetzt). Dass das immer noch eine Menge Geld ist, ist klar. Wir werden auch Ende des kommenden Jahres neu überprüfen müssen, ob der Zuschuss für die Stadt tragbar ist.
Mich ärgert die populistische Haltung vor allem der Linken, die eine teilweise kostenlose Nutzung des Parkes fordern, ohne zu sagen, wir die Einnahmeausfälle kompensiert werden sollen: durch einen noch höheren Zuschuss oder durch Reduzierung der Qualität. Dem Spannungsfeld zwischen Eintritt, Zuschuss und Qualität des Parkes sollte man sich schon stellen.