Das, was Ralf Kletsch vom Bundeselternrat in der MAZ „bildungspolitischen Supergau“ nennt, ist nur zu oft Realität in Brandenburg. Da werden Klassen zum Unterricht zusammengelegt, wenn Lehrer krank sind. Aus dem gleichen Grund kann es auch passieren, dass ein Hauptfach monatelang nicht unterrichtet wird.
Weit verbreitet ist es auch, dass Lehrer Fächer unterrichten, für die sie gar nicht ausgebildet sind. Oberschul-Lehrer werden an Grundschulen versetzt und arbeiten dort mit Altersgruppen, mit denen sie seit Jahrzehnten nicht gearbeitet haben. Und für die nahe Zukunft, wenn überdurchschnittlich viele Lehrer in den Ruhestand gehen, ist nicht ausreichend Vorsorge getroffen.
Die Bildungspolitik Brandenburgs muss vom Ergebnis her betrachtet werden, und das ist denkbar schlecht. Wir haben hierzulande nicht nur die geringste Quote von Studierenden sondern mit über 10% auch mit die höchste Zahl von Schülern, die die Schule ohne Abschluss verlassen. Hier könnte der Staat schon mal Mittel für die zukünftig anfallenden Sozialausgaben zurücklegen.
Wenn wie derzeit die S-Bahn nicht fährt, weil die Bahn für den Börsengang fit gemacht werden sollte, gibt es zu Recht einen Aufschrei der Öffentlichkeit. Wenn wegen unterlassener Finanzierung des Bildungssystems Brandenburgs Zukunft gefährdet wird, ist das vielleicht nicht so offensichtlich, aber weit schwerwiegender.
Die brandenburgischen Schüler sind sicher nicht dümmer als die in anderen Bundesländern, die Lehrer nicht fauler. Man hat den Eindruck, die schulpolitischen Entscheidungen richten sich oft gar nicht nach den Kindern, sondern nach knappen Kassen und einer starren Personalpolitik. Und anstatt die Rahmenbedingungen zu ändern, stellt ein schwacher Bildungsminister die finanziellen Vorgaben des Finanzministers an die Schulämter und Schulen durch, die den Mangel nur noch verwalten können.
Aber es ist nicht nur Geld gefragt: Vor muss der Wille vorhanden sein, die Bildung auch als eines der wichtigsten Themen außerhalb von Wahlkampfreden energisch anzugehen. Die ganze Landesregierung muss in die Pflicht genommen werden, die Prioritäten auf die Zukunft auszurichten.